Gläubige aus Ostmittel- und Südosteuropa in Bewegung. Religiöse Migrationsregime und Diasporapolitik (1930er bis 1960er Jahre)
Veranstalter: Collegium Carolinum in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Institut Rom (Max Weber Stiftung) und dem Institut für Geschichte der Tschechischen Akademie der Wissenschaften
Organisation: Dr. Marion Averbeck-Dotter und Dr. Jaroslav Šebek, Ph.D.
Das Ziel der Jahrestagung des Collegium Carolinum 2026 ist es, die Bedeutung religiöser Zugehörigkeit für Migrationsbewegungen aus dem östlichen Europa von den 1930er bis zu den 1960er Jahren zu beleuchten und die Rollen religiöser Gemeinschaften dabei zu zeigen. „Religion“ bezieht sich auf die drei großen Glaubensbekenntnisse Ostmittel- und Südosteuropas: Christentum (Katholizismus, Protestantismus und Orthodoxie), Judentum und Islam. Die zentrale Frage der Tagung ist, wie religiöse Akteure die Migrationsregime im östlichen Europa von der Zwischenkriegszeit bis zum Kalten Krieg beeinflusst und ihr eigenes Verständnis bzw. ihre eigenen Strategien darin immer wieder neu entwickelt
haben. Gleichzeitig untersuchen wir die Handlungsspielräume von Gläubigen und religiösen Würdenträgern während und nach ihrer Migration: Wir wollen z.B. analysieren, wie die sich dabei bildenden Diaspora- und Exilgruppen ihre Vorstellungen von Religion und damit verbunden von Politik und Gesellschaft in ihrer neuen Heimat vertreten und umgesetzt haben. Drei Aspekte können dabei relevant sein:
- Die Flüchtlingsbewegungen aus dem östlichen Europa im Untersuchungszeitraum führten zu großen humanitären und karitativen Anstrengungen. Religiöse Hilfsorganisationen übernahmen ihre traditionell wichtige Rolle bei deren Versorgung und Unterstützung, von der Aufnahme in Flüchtlingslagern über die Erteilung von Visa für Aufnahmeländer weltweit bis hin zur Rückführung in die ehemaligen Heimatregionen. Es stellt sich die Frage, wie diese Organisationen untereinander oder mit staatlichen Akteuren zusammenarbeiteten, wie sie MigrantInnen klassifizierten und bewerteten und welche Art von Hilfe (materiell und/oder spirituell) sie anboten. Auf der anderen Seite interessieren wir uns dafür, wie die Hilfsbedürftigen mit solchen Organisationen interagierten, z.B. indem sie ihren konfessionellen Status nutzten, um eine Verbesserung ihrer Situation zu erreichen.
- Zweitens begrüßen wir Beiträge zu der Frage, wie ExilantInnen aus Ostmittel- und Südosteuropa während und nach ihrer Migration von religiösen Akteuren (wie dem Heiligen Stuhl) in politische, diplomatische und gesellschaftliche Prozesse eingebunden wurden. Sie wurden als InformantInnen, ÜbersetzerInnen oder ExpertInnen eingesetzt; spielten eine wichtige Rolle in der antitotalitären Propaganda oder in internationalen Organisationen; und konnten Teil der karitativen, pastoralen oder symbolpolitischen Unterstützung für GlaubensgenossInnen im östlichen Europa selbst werden. Gleichzeitig konnte der ideologische und nationale Radikalismus in Exilgruppen innerhalb ihrer eigenen
Religionsgemeinschaften auf Kritik stoßen.
- Schließlich fragen wir, wie konfessionelle Gruppen aus dem östlichen Europa im Exil und in der Diaspora selbst dazu beigetragen haben, Diskurse über Religion, Migration und das östliche Europa zu prägen. Sie gründeten Vereinigungen und Institutionen mit religiösem Schwerpunkt, entwickelten auf der Grundlage ihrer Erfahrungen theologische, historische oder politikwissenschaftliche Theorien und gestalteten aktiv das soziale und religiöse Leben ihrer neuen Heimatländer mit. Beiträge, die einen vergleichenden Ansatz verfolgen oder sich mit Konflikten und Kooperationen zwischen Mitgliedern, Organisationen und Netzwerken verschiedener Konfessionen befassen, sind sehr willkommen
Die Konferenz wird vom Collegium Carolinum in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Institut Rom (Max-Weber-Stiftung-Projektgruppe „The Global Pontificate of Pius XII“) und dem Institut für Geschichte der Tschechischen Akademie der Wissenschaften (Prag) organisiert. Sie findet vom 12. bis 15. November 2026 in Fischbachau in den Bayerischen Alpen statt. Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Vorbehaltlich der Verfügbarkeit von Mitteln übernehmen die Organisatoren die Reise- und Unterbringungskosten aller TeilnehmerInnen. Die Vorträge sollten ca. 20 Minuten dauern, gefolgt von einer Diskussion gleicher Länge. WissenschaftlerInnen aller Karrierestufen sind
eingeladen, bis zum 17. April 2026 Vortragsvorschläge bei Dr. Marion Averbeck-Dotter (marion.dotter@collegium-carolinum.de) und Dr. Jaroslav Šebek, Ph.D. (sebek@hiu.cas.cz)
einzureichen. Diese sollten in englischer oder deutscher Sprache verfasst sein und eine Länge von 3.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) nicht überschreiten. Bitte reichen Sie auch einen kurzen CV ein.
Vorgesehen ist eine Publikation in der Schriftenreihe „Bad Wiesseer Tagungen des Collegium Carolinum“ in englischer Sprache.
Kontakt
Dr. Marion Averbeck-Dotter marion.dotter@collegium-carolinum.de
Dr. Jaroslav Šebek, Ph.D. sebek@hiu.cas.cz