Karel Hrůza hat das Themenheft zum „Brünner Schöffenbuch“, einer Sammlung von Richtersprüchen aus dem 14. Jahrhundert, konzipiert. Lenka Šmidová Malarová analysiert die Sprüche aus rechtshistorischer Perspektive. Dabei geht sie den Einflüssen aus dem Römischen und dem Kanonischen Recht nach, die in die Brünner Sammlung eingegangen sind und von dort den Weg in die Rechtsprechung weiterer böhmischer Städte gefunden haben. Die Illustrationen des Buches stellt die Wiener Kunsthistorikerin Maria Theisen vor. Sie argumentiert, dass diese nicht nur als Schmuck dienten, sondern auch als Kommentare zum Verhältnis zwischen göttlicher und von Menschen gemachter Ordnung fungierten. Karel Hrůza fasst die Rezeptionsgeschichte des Schöffenbuchs zusammen, um dann in die 1930er und 1940er Jahre zu führen, als tschechische und deutsche Historiker um eine Edition des Schöffenbuchs konkurrierten. Der Streit zwischen beiden Seiten schien zugunsten der deutschen Historiker entschieden, als das nationalsozialistische Deutschland die Tschechoslowakei zerstörte und das „Protektorat Böhmen und Mähren“ errichtete. Bei seinem Besuch in Brünn im März 1939 erhielt Adolf Hitler das Schöffenbuch vom neuen nationalsozialistischen Bürgermeister als Geschenk überreicht. Doch der Plan, das Dokument nach Berlin zu bringen und als Beweis einer überlegenen deutschen Rechtstradition zu edieren, ging nicht auf. Das Schöffenbuch blieb in Brünn. Erst in den 1990er erschien eine gültige Edition.
Die Rezensionen der neuen Nummer werden in Kürze auf bohemia-online und www.recensio.net kostenfrei digital zugänglich sein.