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Zivilgesellschaftliche Erinnerungspraxis nach 1989: Zweiter Weltkrieg und Zwangsmigration am Beispiel von Hoyerswerda und Ústí nad Labem (Aussig)

Auch heute noch ein Industriezentrum: Ústí nad Labem (Aussig)

Gerade lokale Initiativen haben nach 1989 in Deutschland und in Ostmitteleuropa dafür gesorgt, dass die Aufarbeitung der Geschichte "großer" Ereignisse im "Kleinen" über transnationale Begegnungen verschiedener Gruppen hinaus entscheidende Impulse erhalten hat. Im Rahmen des Projekts "Zivilgesellschaftliche Erinnerungspraxis nach 1989" untersuchen zwei Teilstudien diese Entwicklung an regionalen Beispielen: eine zu Hoyerswerda (Dr. K. Erik Franzen) und eine zu Ústí nad Labem / Aussig (Frauke Wetzel).

Beide Industriestädte waren nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Sozialismus Orte der erzwungenen Ab- und gesteuerten massiven Zuwanderung, der gesellschaftlichen Neuordnung und der politischen Inanspruchnahme als Repräsentationsstätten. Nach 1989 kehrte sich dieser Prozess in mehrfacher Weise um und mit dem politischen und gesellschaftlichen Transformationsprozess wandelte sich auch der Erinnerungshaushalt: In den ehemals vorwiegend sozialistisch geprägten Zukunftsräumen setzte eine Suche nach zuvor unterdrückten Erinnerungen ein, die noch nicht abgeschlossen ist. Dabei konkurrieren mehrere Erinnerungsstränge – Judenverfolgung, Zweiter Weltkrieg, Vertreibung, Unterdrückung während des Sozialismus – miteinander.

In diesem Zusammenhang stellen sich zahlreiche Fragen: Spiegelt sich im vielfach zu beobachtenden Strukturwandel und Umbau der beiden Städte auch ein erinnerungspolitischer Deutungswechsel wider, der über die Neubenennung von Straßen und Plätzen hinauswies? Welche Rolle kommt nun der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und auch den verschiedenen Zwangswanderungen in den ehemaligen sozialistischen Industriezentren zu? Folgt auf eine Phase der Regulierung von Erinnerung eine Zeitspanne der De-Regulierung des Gedächtnisses, die bis dato unterdrückte Erinnerungen begünstigt? Rückt nun die "Erinnerungsarbeit" und damit das Handeln zivilgesellschaftlicher Akteure stärker in den Mittelpunkt? Diesen und weiteren Themenfeldern wendet sich das vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderte Projekt zu. Damit ergänzt es die etablierte, bisher überwiegend geographisch, soziologisch respektive städtebaulich geprägte Stadtgeschichtsforschung um eine geschichtskulturelle Perspektive.

 

Workshop 2011. Mehr...

K. Erik Franzen

 

Vor und nach 1989: Hoyerswerda auf Postkarten

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