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CfP „Mittelalterrezeption in der Gegenwartskultur“

Tagung des Collegium Carolinum/Außenstelle Prag Prag, 28.–29. November 2019


Der tschechische Historiker František Graus veröffentlichte 1975 sein berühmt gewordenes Buch: „Lebendige Vergangenheit. Überlieferung im Mittelalter und in den Vorstellungen vom Mittelalter“. Neben der wissenschaftlichen Aneignung der Vergangenheit, wie sie sich seit dem 19. Jahrhundert herausgebildet hatte, bestimmte Graus einen zweiten Typus der Mittelalterrezeption: Diese „lebendige Vergangenheit“ des Mittelalters besteht demnach aus einer Fülle von informellen historischen Traditionen, die etwa in der Form von Legenden kollektive Mentalitäten prägten und zu einer zweiten, oft unterschätzen Form des historischen Bewusstseins wurden.

Heute, fast ein halbes Jahrhundert nach dem Erscheinen von Graus‘ Klassiker, ist das Mittelalter keineswegs verblasst, sondern präsenter denn je. Städte veranstalten Mittelalter-Märkte, Turniere oder Mittelalter-Feste. Romane mit Mittelalter-Thematik haben eine beachtliche und stabile Lesergemeinde, manche Bestseller werden verfilmt und ziehen ein Massenpublikum in den Bann. Auch Brettspiele spielen im Mittelalter, im digitalen Zeitalter sind Computerspiele hinzugekommen. Das Mittelalter fasziniert heute, mehr noch als in der Zeit von František Graus, als Phänomen der Alltagskultur.

Auf der Tagung sollen die hoch- und populärkulturellen Vergegenwärtigungen des Mittelalters zusammen in den Blick genommen werden. Dabei interessiert die Frage, wie die Faszination des Mittelalters in der Gegenwart zu erklären ist. Die Tagung widmet sich auch der Frage, welche Aspekte des Mittelalters in der heutigen Kultur besondere Beachtung finden und welche wenig oder gar nicht beleuchtet werden. Wird in der Populärkultur nur eine Klischeebildung vorgenommen oder werden auch wenig bekannte Aspekte des Mittelalters neu erschlossen? Wie schlagen sich wiederum gegenwärtige gesellschaftliche Konflikte in diesen Darstellungen nieder?

Das Thema hat eine spezifische Relevanz für die tschechische Geschichte, ist doch die Vergegenwärtigung der Zeit von Jan Hus und der Hussitenbewegung in der modernen tschechischen Nationalbewegung eine der prägendsten, bis heute nachwirkenden Mittelalter-Aktualisierungen in der europäischen Geschichte gewesen. Die Tagung soll  aber offen sein für Beispiele aus verschiedenen europäischen Ländern. Sie wendet sich an Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Geschichts- und Kulturwissenschaften.

Interessierte werden gebeten, Themenvorschläge für Vorträge mit einer kurzen Skizze (ca. 2000 Zeichen), die die oben genannten Fragen adressieren, einzureichen. Die Themenvorschläge können auf Deutsch, Englisch oder Tschechisch eingereicht werden. Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Das Collegium Carolinum übernimmt die Reise- und Unterbringungskosten.

Bitte senden Sie Ihren Vorschlag bis zum 1. Oktober 2019 mit dem Betreff „Mittelalter“ an:

Prof. Dr. Martin Schulze Wessel
martin.schulzewessel[at]lmu.de

 


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