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Der Schreibtisch des Kaisers: ein Ort politischer Entscheidungen in der Habsburgermonarchie? Franz Joseph I. und dessen Kabinettskanzlei

Forschungsprojekt des Collegium Carolinum in Kooperation mit der Universität Wien

Das Projekt wird auf deutscher Seite von der DFG gefördert.

Laufzeit: 1.2.2018-31.1.2021

Projektleitung: Jana Osterkamp (Collegium Carolinum) und Peter Becker (Universität Wien)

Viele Bilder zeigen Kaiser Franz Joseph als disziplinierten Schreibtischtäter. Sie stimmen überein mit seiner Selbstbeschreibung. Für seine Tätigkeit erhielt er allerdings Unterstützung durch die Kabinettskanzlei. Sie registrierte und protokollierte die etwa 250.000 sogenannten Vorträge (schriftliche Vermerke von Ministerien, Landesvertretern, Privaten u.a.), die der Kaiser während seiner Regierungszeit erledigte. Unser deutsch-österreichisches Projekt macht sich diese sorgfältige bürokratische Erschließung der Eingaben zunutze. Wir verstehen sie als eine Art Kanal, mithilfe dessen erstmals die gesamte Regierungstätigkeit der Habsburgermonarchie durch eine statistische Politikfeldanalyse sichtbar wird. Wir notieren die Verteilung der Vorträge auf die einzelnen Politikfelder und verfolgen deren Veränderung im Laufe der Zeit. Dadurch erhalten wir eine Gesamtschau auf die Regierungstätigkeit und -zeit von Kaiser Franz Joseph I.


Zusätzlich zu diesem quantitativen Ansatz werden qualitative Studien durchgeführt. Zwei Doktoranden analysieren Infrastruktur/Technologie und symbolische Politik am Beispiel von Eisenbahnbau bzw. Nobilitierungen. Bei diesen Studien stehen Verteilungsfragen von materiellen und immateriellen Ressourcen und Netzwerke von staatlichen wie nicht-staatlichen Akteuren für die Integration der Monarchie im Vordergrund. Eine dritte Dissertation befasst sich mit der Kabinettskanzlei selbst als Ort der Politik, die, in erster Linie verkörpert durch den Direktor Adolf Braun, selbst stark in unterschiedliche Teile der Monarchie und der Gesellschaft vernetzt war. Am Collegium Carolinum ist das Dissertationsprojekt von Marion DotterNobilitierungen und Adelsstandserhöhungen des Kaisertums Österreich in der Kabinettskanzlei zur Zeit Kaiser Franz Josephs (1849–1916)“ zur symbolischen Politik angesiedelt, das Nobilitierungen in den italienischen Provinzen der Habsburgermonarchie untersucht.


Das Gesamtprojekt wird durch die Kombination von quantitativen und qualitativen Methoden sowie von Text- und Netzwerkanalyse erstmals wesentliche Aufschlüsse über Logiken informeller Politik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bieten.


Zusätzlich findet das halbjährliche Kolloquium „Staat und Verwaltung im Gespräch“ statt, das zwischen München und Wien alterniert.


Kontakt: Jana Osterkamp

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