Erinnerung im lokalen Raum – das Beispiel Ústí nad Labem nach 1945

Das Projektvorhaben befasst sich mit Repräsentationen und Praktiken der tschechischen Neuaneignung des böhmischen Grenzlandes (pohraničí) 1945 bis zur Gegenwart. Im Vordergrund steht dabei die Konstruktion lokaler, regionaler und nationaler Identitäten. Untersucht wird dieser Prozess, der unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Wiedereingliederung der 1938 an Deutschland abgetretenen tschechoslowakischen Randgebiete einsetzte, am Beispiel der nordböhmischen Stadt Ústí nad Labem. Der größte Teil der deutschsprachigen Einwohner war ausgesiedelt worden, nur ein Viertel der Bevölkerung hatte bereits vor Ende des Zweiten Weltkrieges in der Stadt gelebt. Neue Bewohner mussten geworben werden oder kehrten aus dem Binnenland zurück. Analysiert werden die damit verbundene Neudeutung der lokalen und regionalen Vergangenheit in Erzählungen, Symbolen, kulturellen Einrichtungen und Geschichtsdarstellungen sowie die Gedächtnispolitik vor allem in Bezug auf die Spannung zwischen zentralen Vorgaben, lokaler Umsetzung und alltäglicher Adaption.

Frauke Wetzel