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Die Musealisierung der deutschen Besatzung im neuen Nationalstaat: Die Republik Belarus

Im Rahmen der offiziellen belarussischen Geschichtspolitik wird das Gedenken an die Besatzungszeit im „Großen Vaterländischen Krieg“ nicht nur als Visitenkarte des Landes präsentiert, sondern auch als zentraler Baustein in der nationalen Helden- und Opfererzählung aufgefasst. In dem Dissertationsprojekt wird die Musealisierung der Erinnerung an die nationalsozialistische Besatzung in Museen, Gedenkstätten und Denkmälern untersucht. Weil innerhalb der Sowjetunion der Partisanenmythos in der Belarussischen Sozialistischen Sowjetrepublik besonders ausgeprägt war und seit dem Zusammenbruch die Republik Belarus zu den wenigen Republiken zählt, die sich in diesem Bereich nur in Ansätzen von der sowjetischen Vergangenheit distanziert haben, richtet sich der Blick in erster Linie auf die Repräsentationen des Partisanenwiderstands. Es werden aber auch die Gedenkorte an den Holocaust und die musealisierten zerstörten Orte in die Untersuchung einbezogen.

 

Die Leitfragen des Forschungsprojektes sind: Was zeichnet die musealen Repräsentationen des „Großen Vaterländischen Krieges“ in der Republik Belarus aus? Wie wird anhand der Partisanendenkmäler, Gedenkstätten und Museen das Nationale konstituiert und inszeniert? In welcher Beziehung stehen die Gedenkorte an den Partisanenwiderstand zu den anderen Gedenkorten, die an die deutsche Besatzung erinnern? Mit welchen geschichtskulturellen Symbolen wird der Holocaust seit der Nachkriegszeit musealisiert und erinnert? Welche Rolle spielen alle diese Orte im Bereich der Geschichtsvermittlung und des Tourismus? Es werden sowohl der institutionelle Rahmen und die Präsentationstechniken der untersuchten Einrichtungen als auch die sozialen Praktiken und Initiativen im Bereich des nicht staatlich geformten Gedenkens zu untersuchen sein. Im Mittelpunkt steht die Frage nach Brüchen und Kontinuitäten, die im Hinblick auf die Zäsur von 1989/91 im Bereich der Musealisierung des Zweiten Weltkriegs in der Republik Belarus zu beobachten sind.

 

Ekaterina Keding

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