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Veröffentlichungen des Collegium Carolinum, Bd. 103

Prozesse kultureller Integration und Desintegration. Deutsche, Tsche­chen, Böhmen im 19. Jahrhundert

 

Herausgegeben von Steffen Höhne und Andreas Ohme

 

München 2005, VII und 341 Seiten, 1 Abb., gebunden

 

Ladenpreis € 49,80

Der Titel ist im Buchhandel erhältlich oder kann beim Collegium

Carolinum bestellt werden: post.cc[at]collegium-carolinum.de

 

ISBN 978-3-944396-47-7

(alt: ISBN 978-3-486-57588-0)

 

 

Betrachtet man die deutsch-tschechischen Beziehungen nach 1989, dann scheint in vielen gesellschaftlich relevanten Bereichen ein nationalkulturell verfestigtes, mehr oder weniger stereotypes Bild vom jeweils 'Anderen' zu dominieren. Offenkundig existieren kulturspezifische Perzeptionsmuster, die bis heute die wechselseitige Wahrnehmung zwischen Tschechen und Deutschen determinieren. Da diese Muster historisch gewachsen sind, ist es erforderlich, die Prozesse ihrer Herausbildung näher in den Blick zu nehmen.
Der vorliegende, interdisziplinär angelegte Jenaer Tagungsband leuchtet die tschechisch-deutschen kulturellen und kommunikativen Beziehungen im 19. Jahr­hundert aus. Neben kulturellen Erscheinungen im engeren Sinne (Sprache, Literatur, Theater) werden deren Rahmenbedingungen (Institutionen, Kulturpolitik etc.) re­flektiert. Aus einer literatur-, kultur- und sprachwissenschaftlichen Perspektive werden Aspekte bilingualer und binationaler Milieus behandelt, wobei den Sprach­wechslern, bilingual gebildeten Künstlern oder Wissenschaftlern, die sich für eine Sprache als Standard- bzw. Prestigesprache entschieden haben, ein besonderes Interesse gilt. Diskutiert werden ferner Probleme der Herausbildung einer tsche­chischen Nationalliteratur im Wechselspiel mit der deutschböhmischen Regionalliteratur. Dabei geht es um Fragen der Produktion, Rezeption und Distribution sowie um Aspekte der Kanonisierung nach Verbindlichkeitsvorgaben auf der Ebene der literarischen Produktion wie Partizipation. Zudem werden auch solche Phänomene in den Blick genommen, die über die ästhetische Funktion im engeren Sinne hinaus von gesellschaftspolitischer Relevanz sind (Utopie, Idylle etc.).
Untersucht werden somit unterschiedliche Ausdrucksformen „böhmischer“ Identität und Kultur und deren Durchsetzung im Kontext kulturpolitischer und institutioneller Prozesse.

 

 

Inhalt:

  • Vorbemerkung (S. VII)
  • Steffen Höhne: Öffentlichkeit und nationaler Diskurs im Vormärz. Sprache und Kultur als Signifikanten nationaler Desintegration (S. 1-30)
  • Václav Maidl: Landespatriotismus, Nationalitätenwechsler und sprachlich-nationale Divergenz (S. 31-50)
  • Christian Prunitsch: Zur Konzeptualisierung der tschechischen als einer kleinen Literatur an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert (S. 51-71)
  • Andreas Ohme: Böhmen – eine Region ohne literarische Utopie (S. 73-95)
  • Dalibor Tureček: Mehrsprachigkeit im tschechischen Drama 1787-1854 (S. 97-113)
  • Katrin Berwanger: Geschichtsmythos und Literatur bei Josef Linda: Stärkung der Wenzel-Legende statt ewiger deutsch-tschechischer Antagonismus (S. 115-133)
  • Birgit Krehl: 'Die Fürstentafel' von J. G. Herder und die so genannte Handschrift 'Libušin soud' (Libušes Gericht) – ein Textvergleich (S. 135-160)
  • Walter Schmitz: Utraquismus als poetisches Programm: Karl Egon Eberts Nationalepos "Wlasta" zwischen 'Romantik' und 'jungem Deutschland' (S. 161-210)
  • Zuzana Urvalková: "Unser Herloš". Zur Rezeption von Karl Herloßsohn in den böhmischen Ländern (S. 211-218)
  • Peter Becher: Adalbert Stifters "Witiko" – ein Wirkungsdefizit als Ausdruck gescheiterter Integration? (S. 219-230)
  • Ludger Udolph: Jan Pětr Jordans Panslavismus-Konzeption. Ein Beitrag zum 'slavischen Diskurs' im Vormärz (S. 231-247)
  • Tilman Berger: Zweisprachigkeit in den Ratsprotokollen von Chrudim (1750-1850) (S. 249-273)
  • Jiřina van Leeuwen-Turnovcová: Diglossie und Gender im mitteleuropäschen Vergleich (Zu Handikaps der Familiarisierung eines elaborierten Sprachstils in Böhmen) (S. 275-308)
  • Irina Wutsdorff: Die prästrukturalistische Theorielinie der tschechischen Ästhetik und die (deutschsprachige) Musikästhetik des 19. Jahrhunderts (S. 309-332)

            Abkürzungen (S. 333)
            Personenregister (S. 335-340)
            Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (S. 341)

 

 

Dr. Steffen Höhne ist Professor für Kulturmanagement an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.

 

Dr. Andreas Ohme ist Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Slawistik der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

 

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