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Bad Wiesseer Tagungen des Collegium Carolinum, Bd. 27

Sozialgeschichtliche Kommunismusforschung. Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und DDR 1948-1968

 

Vorträge der Tagung des Collegium Carolinum in Bad Wiessee vom 22. bis 24. November 2002

 

Hrsg. von Christiane Brenner und Peter Heumos

 

München 2005, 558 Seiten, 38 Abbildungen, gebunden

 

Ladenpreis € 59,80

Lieferbar. Alleinige Bezugsquelle: Collegium Carolinum, München.

Bestellung unter: post.cc[at]collegium-carolinum.de

 

ISBN 978-3-486-57696-2

 

Eine von den Nachwirkungen des Totalitarismuskonzepts geleitete historische und politikwissenschaftliche Forschung hat sich lange Zeit auf die Ebene der Staats- und Parteiführung konzentriert und ein starres Bild der „durchherrschten“ sozialistischen Gesellschaften Mittel- und Osteuropas gezeichnet. Ziel des Bandes, der aus der Jahrestagung 2002 des Collegium Carolinum hervorgegangen ist, ist die Frage danach, wie weit sich soziale Handlungen, Prozesse und Bewegungen in diesen Ländern der postulierten ubiquitären politischen Macht zu entziehen suchten und vermochten. Dieser Frage wird am Beispiel verschiedener Untersuchungsfelder nachgegangen: dem industriellen Milieu, den geplanten „Musterstädten“ des Sozialismus sowie der Repression und Verfolgung verschiedener sozialer Großgruppen. Alle hier versammelten Beiträge weisen auf die Grenzen hin, die der Realisierung kommunistischer Politik gesetzt waren – durch nationale und lokale Traditionen, ökonomische Tatsachen sowie die Notwendigkeit, den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten. Das Maß, in dem sich gesellschaftliche Interessen in der politischen Praxis Geltung verschaffen konnten, divergiert allerdings zwischen den einzelnen untersuchten Ländern und Lebensbereichen. Somit lädt der Sammelband einerseits zu einem Vergleich staatssozialistischer Gesellschaften unter sozialgeschichtlicher Perspektive, andererseits zur Diskussion der Spielräume innerhalb dieser Systeme ein.

 

 

Inhalt

  • Christiane Brenner/Peter Heumos: Vorwort (S. 9-11)
  • Christoph Boyer: Der Beitrag der Sozialgeschichte zur Erforschung kommunistischer Systeme (S. 13-32)

I. Herrschaftsstrukturen und Konflikte in den Industriebetrieben

  • Friederike Sattler: Zum Konfliktverhalten von Arbeitern in der Chemieindustrie der DDR (S. 35-76)
  • Małgorzata Mazurek: „Besser, billiger, schneller“. Die Politik der Mobilisierung der Arbeiter im Warschauer Glühlampenwerk „Rosa Luxemburg“ nach 1956 (S. 77-104)
  • Mark Pittaway: Workers, Management and the State in Socialist Hungary: Shaping and Re-shaping the Socialist Factory regime in Újpest and Tatabánya, 1950-1956 (S. 105-131)
  • Peter Heumos: „Wenn sie sieben Turbinen schaffen, kommt die Musik." Sozialistische Arbeitsinitiativen und egalitaristische Defensive in tschechoslowakischen Industriebetrieben und Bergwerken 1945-1965 (S. 133-177)
  • Martin Krämer: „Wer nicht die Verantwortung übernehmen will für das, was hier passiert, soll gehen!“ Innere Mobilisierung und veräußerter Klassenkampf in tschechisch-polnischen Montanbetriebsräten 1948 (S. 179-202)

II. Betriebliche Kulturarbeit

  • Helke Stadtland: Kommunismus und Kultur. Überlegungen zur betrieblichen Kulturarbeit der staatssozialistischen Gewerkschaften Osteuropas und der DDR (S. 205-242)
  • Jiří Knapík: Arbeiter versus Künstler. Gewerkschaft und neue Elemente in der tschechoslowakischen Kulturpolitik im Jahr 1948 (S. 243-262)
  • Jiří Pokorný: Die Betriebsklubs in der Tschechoslowakei 1945-1968. Zur Organisation sozialistischer Erziehung, Kultur und Erholung der Arbeiterschaft (S. 263-275)
  • Annette Schuhmann: Kulturhäuser der Gewerkschaften in Industriebetrieben der DDR der fünfziger Jahre (S. 277-303)

III. Repression und soziale Klassen

  • Dieter Segert: Repression und soziale Klassen. Überlegungen zu einer Sozialgeschichte der politischen Macht im Staatssozialismus (S. 307-317)
  • Karel Jech: Die Repressionen gegen die Großbauernschaft während der Kollektivierung der tschechoslowakischen Landwirtschaft (S. 319-336)
  • Marketa Spiritova: Formen der Repression in der Tschechoslowakei nach 1968. Das Alltagsleben tschechischer Intellektueller zur Zeit der ‚Normalisierung‘ (S. 337-353)
  • Jiří Pernes: Die Verfolgung der Teilnehmer an den Arbeiterdemonstrationen in Brünn im Jahre 1951 (S. 355-364)
  • Mečislav Borák/Dušan Janák: Die tschechoslowakische Retributionsgerichtsbarkeit und die deutsche Problematik 1945-1948. Die außerordentlichen Volksgerichte in Moravská Ostrava, Opava und Nový Jičín (S. 365-422)

IV. Städtische und industrielle „Aufbaumilieus“

  • Michaela Marek: Die Idealstadt im Realsozialismus. Versuch zu den Traditionen ihrer Notwendigkeit (S. 425-480)
  • Petr Lozoviuk: Das Alte und das Neue in einer sozialistischen „Musterstadt“. Die Bezirksstadt Žďár nad Sázavou (S. 481-503)
  • Sándor Horváth: Alltag in Sztálinváros. Die „Zivilisierten“ und die „Wilden“ in der ersten sozialistischen Stadt Ungarns (S. 505-526)
  • Katherine Lebow: Socialist Leisure in Time and Space: Hooliganism and Bikiniarstwo in Nowa Huta, 1949-1956 (S. 527-540)
  • Abkürzungsverzeichnis (S. 543-547)
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bandes (S. 549)

 

 

Rezension:

Behrends, Jan C., in:  Sehepunkte Ausgabe 5 (2005) Nr. 3

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