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Posthume Sonatine für Gabriele Zeller

    Wenn Menschen beten oder Musik hören, soll man sie nicht stören. Unterbrochene Gebete und Musik sind weniger als eine halbe Sache, nochmals anzufangen, gelingt nur schwer.

    Irgendwie hatten Gabriele Zeller und ich einen ähnlichen Zeitrhythmus, wenn wir morgens ins Büro gingen. Allerdings waren meine Schritte schneller, aber ich verlangsamte sie immer, wenn ich Frau Zeller mit den Kopfhörern sah, wie sie sich gemächlich, fast zögerlich, dem Haus in der Hochstraße näherte. Wer sie nicht kannte, hätte denken können, dass an dem Tag aus der Arbeit nichts wird. Ich wollte sie nicht überholen, denn ich dachte mir, dass mein Guten-Morgen-Gruß, egal wie leise ausgesprochen, eine Sonate, einen Bolero oder möglicherweise auch Elvis Presley oder gar Michael Jackson unterbrechen könnte. Ich habe nie gefragt und es auch nie erfahren, was sich hinter dieser Kopfhörerfassade wortwörtlich abspielte.

    Auch wenn Menschen arbeiten, soll man sie möglichst nicht stören. Gabriele Zeller hatte aber einen solchen Beruf und eine solche Arbeitsstelle, dass die Störung unvermeidlich war. Ich kam ab und zu mit meinen Fragen in ihr karges Büro, in dem keine Ordnung herrschen konnte, denn es war eine Durchgangsstation für bibliothekarische Neuzugänge, ungebundene Zeitschriften oder zerfledderte Bücher, da stapelten sich unzählige ungeklärte Fälle, Varia und Schriftgut, das nach keinem gültigen Kriterium in die Bibliothek integriert, aber auch nicht einfach entsorgt werden konnte.

    Gabriele Zeller war kein Mensch vieler oder gar überflüssiger Worte. Die gewünschte Auskunft war immer knapp, präzise, kompetent. Sie beherrschte souverän ihr Metier. Das hat mich jedes Mal beeindruckt, aber jedes Mal sagte ich mir, das sei doch ihr Job. Was aber nicht unbedingt zu diesem gehört, ist ihre sonore Stimme, die mit einem herzlichen und unaufdringlichen Lachen unterlegt war und eine Wärme ausstrahlte, von der sich das karge Büro im Nu in ein wahres Zuhause verwandelte.

    Es werden neue Bücher kommen, sie werden bearbeitet, signiert und eingeordnet, die Geschäftsgänge werden auch weiter so verlaufen wie es die bibliothekarischen Regeln verlangen, es wird alles so sein wie eh und je, aber schwer zu glauben, dass dies mit einem Lachen voll von Musikalität begleitet wird.

    Ach, wenn ich nur wüsste, ob es wahr ist, dass die Engelschöre musizieren! Dann wüsste ich auch Gabriele Zeller gut aufgehoben.

                                                                                                                                      Jozo Džambo

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