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Newsletter des Collegium Carolinum 7/2018

(4.4.2018)

Call for Papers

Was war die Normalisierung? Die Tschechoslowakei 1969-1989
What Was Normalization? Czechoslovakia 1969-1989
Co byla normalizace? Československo 1969-1989


Jahrestagung des Collegium Carolinum
in Kooperation mit dem Ústav hospodářských a sociálních dějin FF UK

Pelham/Bayern, 8.-11. November 2018

Der Begriff „Normalisierung“ (normalizace) wurde zum Label für die ganze Epoche zwischen dem „Prager Frühling“ und der „samtenen Revolution“ in der Tschechoslowakei. Bis heute verbindet sich mit ihm die Vorstellung von einer „bleiernen Zeit“, die von Repressionen und verschärfter Kontrolle einerseits, einer allgemeinen Ereignislosigkeit andererseits geprägt war und in der oppositionelle Kreise kaum zur apathischen Mehrheitsgesellschaft vordrangen. In den letzten Jahren zeichnet sich eine differenzierte Wahrnehmung der Zeit der „Normalisierung“ und der Kultur des Spätsozialismus ab. Aktuelle Studien setzen sich dabei verstärkt mit den systemstabilisierenden und den erodierenden Kräften innerhalb der spätsozialistischen Gesellschaften auseinander. Neben der politischen Führung und dem Leben und Wirken der Dissidenten nehmen sie verstärkt auch die „normalisierte“ Gesellschaft und die offizielle Kulturproduktion in den Blick: Immer wichtiger werden Fragen nach dem Verhältnis von individueller Anpassung, sozialem Druck, staatlicher Repression, der Alltagskultur und autobiographischen Praktiken. Zugleich ist eine Nostalgie nach diesen Dekaden zu beobachten, die als sicher und stabil erinnert werden.

 

Das Ziel der interdisziplinären Tagung ist es deshalb, die Ära der „Normalisierung“ in ihren verschiedenen Facetten zu diskutieren. Geschärft werden soll der Blick auf politische, soziale und kulturelle Veränderungsprozesse während der Jahre von 1969 bis 1989 wie auf die Lebenswirklichkeiten und innere Pluralität der „Normalisierungsgesellschaft“. Dabei geht es auch um Kontinuitätslinien seit den 1960er Jahren und über den Umbruch von 1989 hinaus.

 

Vorträge können sich beispielsweise folgenden Fragen widmen: Welcher Legitimisierungspraktiken bediente sich das Normalisierungsregime und mit welchem Erfolg? Wie eigneten sich verschiedene gesellschaftliche Gruppen offizielle Deutungsmuster an, welche Erwartungen und Ängste hegten sie? Welche Lebensmodelle und -stile entwickelten sich in der Tschechoslowakei seit den 1970er Jahren? Welche Phänomene enstanden auf dem Feld zwischen offizieller Kultur und Subversion – und wie wurden diese vom Publikum gelesen und verstanden? Und schließlich: Was davon ist „normalisierungstypisch“, welche Phänomene lassen sich auch in den benachbarten sozialistischen Gesellschaften finden, welche Entwicklungen können als systemübergreifende Epochenmerkmale charakterisiert werden?

 

Willkommen sind auch Beiträge zum Nachleben der 1970er und 1980er Jahre: Welche Entwürfe von dissidentischer Individualität und angepasster Persönlichkeit finden sich in aktuellen Darstellungen? Auf welche Aspekte der „Normalisierung“ richten sich nostalgische und retrotopische Impulse? Welche Rolle spielen Artefakte der Populärkultur (Vorabendserien, Schlager, Kinderfilm/literatur) für die Erinnerung an die Zeit der Normalisierung?

 

Der Call for Papers richtet sich an WissenschaftlerInnen aus allen kulturwissenschaftlichen Disziplinen mit einem Schwerpunkt in der Bohemistik. Wir bitten um Skizzen (ca. 2000 Zeichen) für Vorträge mit einer Länge von 20 Minuten, die die oben genannten Fragen adressieren. Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch, die Abstracts können auch auf Tschechisch und Slowakisch eingereicht werden. Das Collegium Carolinum übernimmt die Reise- und Unterbringungskosten. Die Herausgabe eines Tagungsbandes ist geplant.

Call for Papers Englisch: What Was Normalization? Czechoslovakia 1969-1989
Call for Papers Tschechisch: Co byla normalizace? Československo 1969-1989


Konzeption der Tagung:

Prof. Dr. Anja Tippner, Universität Hamburg
Doc. Dr. Michal Pullmann, Karls-Universität Prag
Dr. Christiane Brenner, Collegium Carolinum

 

Senden Sie Ihre Skizzen mit einem kurzen Anschreiben (akademischer Werdegang, Forschungsschwerpunkte) bitte bis zum 31. Mai 2018 an:

 

Christiane Brenner, christiane.brenner[at]collegium-carolinum.de

 

Eine Benachrichtigung über die Annahme des Vortrags erfolgt bis zum
15. Juni 2018.

 

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